Ein Blick auf die

Geschichte

der

Organisation

der

Volksfedajin

Irans

(Mehrheit)

Vom Beginn bis heute

1971 - 1997

(8 Februar)


Hintergrund

Nach dem Putsch von 1953 und dem Fall der demokratischen Nationalregierung des Premiers Dr. Mossadeq wurde eine Politik der Unterdrückung und des Mordes vom Regime Mohammad Reza Schah gegen freiheitsliebende Iraner durchgesetzt. Die damals wichtigsten politischen Organisationen, wie Tudeh Partei Iran und Nationale Front Iran, die Hauptbasis der freiheitlichen Aktivitäten der Menschen Irans, wurden zur Zielscheibe. Der Politik der Unterdrückung gelang es, die organisierte Opposition des Landes zu demontieren, aber Anfang der 60er Jahre wurden die Stimmen gegen das diktatorische Schahregime wieder hörbar.

Kreise der Intellektuellen wurden Zentrum des politischen Aktivismus. Iranische Schüler und Studenten fanden starke Verbundenheit mit den Revolutionären und Befreiungsbewegungen, die sich überall in dem 50er und 60er Jahren verbreiteten, besonders die in Kuba und Vietnam. Unabhängigkeit, Demokratie, Sozialismus und der gesellschaftliche Fortschritt waren die Hauptziele des Kampfes der iranischen Intellektuellen. Da es keine starke und erfahrene Organisationen für die Führung der Bewegung gab, haben sich die Diskussionen auf die Art und Weise der Besetzung dieses Vakuums konzentriert.


Von der Gründung bis zur Revolution 1979

Die erste Versammlung der Volksfedajin-Bewegung im Jahre 1963 kam durch Bijan Jazani und seine Freunde zustande. Sie kamen zu dem Schluß, daß der mächtige amerikanische Einfluß im Iran und die Unterdrückung der Dissidenten im Iran einen friedlichen Aktivismus ganz unmöglich gemacht haben. Deswegen wurde der bewaffnete Kampf als der einzig wirksame Weg zur Befreiung angesehen.

Das Resultat der Bemühungen dieser Gruppe von iranischen Intellektuellen war ein Überfall auf eine Gendarmeriestation in den Wäldern Nordirans am 8. Februar 1971, der die Gründung der Guerilla Organisation der Volksfedajin Irans signalisierte. In dem Zeitraum von 1971 bis 1979 standen die Fedajin unter heftigem Angriff durch das diktatorische Regime. Etwa 300 Fedajin-Mitglieder, mehr als in jeder anderen Dissidentenorganisation, wurden vom Schah Regime ermordet. In diesen Jahren und im Laufe von vier Angriffen wurde die Mehrheit der führenden Kader der Organisation verhaftet oder ermordet, aber die Organisation blieb standhaft.

Der größte Schlag kam, als Bijan Jazani und 6 andere Mitbegründer der Organisation heimlich im Gefängnis erschossen wurden. Dies geschah am 19. April 1975, acht Jahre nach ihrer Verhaftung und Verurteilung ohne einen zweiten Prozeß.


Frühe Jahre nach der Revolution

Fedajin spielten in der Revolution von 1979, die hauptsächlich von den Anhängern von Ajatollah Khomeini geführt wurde, eine wirksame und aktive Rolle. In diesem Zeitpunkt unterstützten die meisten Kräfte, die gegen eine religiöse Regierung waren, die Fedajin. Nach dem Sieg der Revolution gründete die Organisation in den meisten iranischen Städten für legale Aktivitäten ein Büro. Später entwickelten sich diese Büros zur Zusammenkunft der weltlichen Jugend, die für Gerechtigkeit waren. In der ersten Wahl nach der Revolution bekamen die Fedajin 10 Prozent der Stimmen und die verschiedenen religiösen Kräfte die übrigen Stimmen.

Inzwischen brachen innere Diskussionen unter den Fedajin über die Revolution aus. An oberster Stelle stand das wichtigste Thema der Diskussion, nämlich die Art und Weise der Begegnung mit der Regierung. Eine große Mehrheit der Mitglieder der Organisation kritisierte den bewaffneten Kampf und war für eine politische Richtlinie, die nicht getrennt von der Masse war; die Masse, die ihren religiösen Führer folgte.

Diese Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Organisation führten zu eine Spaltung. Eine Minderheit von 10 Prozent der aktiven Mitglieder trennte sich.

Schließlich am 1. Mai 1981 gab es ein großes Meeting von Hunderttausenden von Fedajin am Azadi (Freiheit) Platz in Teheran. An diesem Tag hat die Führerschaft der Organisation die neue politische Richtlinie der Organisation angekündigt. Unter anderem wurde bekannt gegeben, daß die Organisation keine Guerillabewegung mehr ist. Stattdessen ist sie jetzt eine politische Organisation der Arbeiterklasse Irans. Seit diesem Tag heißt die Organisation offiziell Organisation der Volksfedajin Irans (Mehrheit). Bis Anfang 80er Jahre, wo die islamische Regierung noch nicht alles ganz beherrschte, hat die Organisation ihre halblegalen Aktivitäten fortgesetzt. Das offizielle Organ der Organisation "Kar" von 100 bis 300tausend Auflage wurde wöchentlich publiziert.

Durch die vierjährige Anstrengung für den Aufbau der Struktur der Organisation wuchs die Mitgliederzahl auf 20.000. Unter diesen Mitgliedern waren ein Drittel Frauen, ein Fünftel Arbeiter und drei Fünftel Schüler und Studenten. Das Durchschnittsalter der Mitglieder der Organisation war unter 24 und innerhalb der Führungskader 32 Jahre. Die bedeutendste Leistung der Organisation der Volksfedajin in einer sehr religiösen Gesellschaft war die Organisierung einer großen Gruppe von progressiver weltlicher Jugend und die Errichtung einer säkularen und einflußreichen politischen Organisation.


Jahre der Unterdrückung

Trotz der Politik der OVFI(M) auf der Grundlage der nicht direkten Konfrontation mit der Regierung war es klar, daß die herrschenden Fundamentalisten die Existenz und Aktivitäten der Fedajin nicht tolerieren können. Während im Zeitraum von 1980-82 die OVFI(M) die Politik der Regierung bezüglich der Konflikte mit dem Irak, die antiamerikanische Haltung und gewisse Aspekte der wirtschaftlichen Reformen unterstützte, bekam sie aber keine gesetzliche Erlaubnis für ihre Aktivitäten. Sogar in diesen Jahren wurden Todesurteile ausgesprochen und Hunderte von Fedajin-Aktivisten saßen in Gefängnissen.

Die allseitige Verfolgung und Unterdrückung der OVFI(M) fing im Frühjahr 1983 an, als die islamische Regierung die Strukturen eines Informationssammelsystems und ihres Polizeinetzes vollkommen hatte. Allerdings hatte die islamische Republik bei der Vernichtung des wichtigsten Teils der Führung der Organisation keinen Erfolg. Die Führung wurde auf außerhalb des Landes übertragen.

Im August 1988 hat Khomeini vor seinem Tod die Massenhinrichtung von politischen Gefangenen Irans angeordnet. Tausende und darunter mehr als Hundert Fedajin wurden in Gefängnissen ohne Prozeß hingerichtet. Dieses furchtbaren Verbrechens gedenken die Menschen im Iran als "Nationale Tragödie". Im Zeitabschnitt der islamischen Republik kamen mehrere Tausend Fedajin ins Gefängnis und Hunderte, darunter 8 Mitglieder der Führung wurden hingerichtet und Tausende waren gezwungen, das Land zu verlassen.


Jahre der Krise

In der zweite Hälfte der 80er Jahre hat das bittere Ergebnis der iranischen Revolution und das Schicksal des Sozialismus in der Sowjetunion eine ideologische, politische und organisatorische Krise hervorgerufen. Die Hauptachse der Debatten in dieser kritischen Zeit waren die irrtümlichen Bewertungen der islamischen Republik, "existierender Sozialismus" und die nichtdemokratische Struktur innerhalb der Organisation. Diese Krise hatte einen lähmenden Eindruck auf viele Teile der Organisation. Interne Debatten wurden in der gesamten Organisation herausgegeben. Im Sommer 1988 wurde das Recht der Mitglieder, ihre unabhängigen und persönlichen Ansichten öffentlich auszudrücken, durchgeführt, und diese Entwicklung war der erste Schritt zum Umstrukturierung der Organisation und ebnete den Weg für die Vorbereitung des ersten Kongresses.


Die 90er Jahre

Im August 1990 fand der erste Kongreß der Organisation im Ausland statt. Der Kongreß konzentrierte sich auf die erneute Überprüfung des Programms der Organisation, die politischen Positionen in der Vergangenheit, die politische Situation und innere Beziehungen. Außerdem übertrug der Kongreß die Führung einer neuen Gruppe und entschied einen zweijährigen Zeitraum für den zweiten Kongreß.

Die Art der Organisierung des Kongresses und dessen Ergebnisse haben die Einheit der OVFI(M) wiederhergestellt und das gegenseitige Vertrauen und die gegenseitige Solidarität unter den Aktivisten und in der gesamten Organisation bekräftigt. In den 90er Jahren gab es tiefgreifende Änderungen in der Fedajin-Bewegung. Nach einer Analyse der Geschichte der Organisation wurde Demokratie als das dringende und grundlegende Ziel der Organisation erklärt, die bisherigen Bemühungen zur ideologischen Einheit innerhalb der Organisation beiseite gelegt und statt dessen ideologische Mannigfaltigkeit und selbständiges Denken offiziell akzeptiert und unterstützt.

Der erste Kongreß sprach den Sozialismus als sein Endziel aus. Der Kongreß hat entschieden, daß alle zwei Jahre ein Kongreß der Organisation stattfindet, wo die Mitglieder des Zentralrats gewählt werden. Diese Entscheidung ist seit der Zeit vollständig durchgeführt worden.

Im Jahre 1995 fand der vierte Kongreß statt. Dieser Kongreß fiel mit dem 25. Jahrestag der Ermordung von Bijan Jazani, dem Gründer der Organisation, zusammen und deswegen wurde er nach ihm benannt. In die Geschichte der Organisation werden die 90er Jahre nicht nur als ein Jahrzehnt, wo demokratische Prinzipien innerhalb der Organisation angenommen wurden, eingehen, sondern auch als ein Zeitraum der Zusammenarbeit und besserer Beziehungen zwischen unserer Organisation und liberalen, reformistischen und demokratischen Bewegungen Irans.


Für eine bessere Zukunft

Im Iran herrscht immer noch Fundamentalismus. Allerdings ist die Mehrheit der Menschen im Iran nicht mit dem gegenwärtigen Regime zufrieden. Die Menschen beabsichtigten mit der Revolution von 1979 die Beseitigung der Diktatur, Korruption und Ungerechtigkeit. Aber die islamische Republik erfüllt dieses Verlangen nicht. Stattdessen ist die Verachtung und Kränkung der iranischen Frauen alltäglich und gesetzlich. Der Abstand zwischen Arm und Reich erweitert sich, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes, besonderes nach der Emigration von 3 Millionen gebildeter Menschen, sind ernsthaft zerstört. Die Beziehung ethnischer und religiöser Gruppen ist gefährdet.

Die Außenpolitik der islamischen Republik hat die politische Isolation des Landes zur Folge gehabt. Das Jahr 1996 ist wegen Verschwörungen des Regimes gegen bekannte Intellektuelle, Schriftsteller und Journalisten und auch wegen Protesten der internationalen Gemeinschaft gegen die terroristischen Aktionen der islamischen Republik, um oppositionelle Führer im Ausland zu ermorden, bemerkenswert.

Die Fedajin als die größte säkulare Organisation Irans will die gegenwärtige Theokratie durch eine demokratische Republik ersetzen. Sie strebt eine freie und friedlich gewählte Regierung an. Diese Ziele werden allgemein von Menschen Irans unterstützt. Die Entwicklungen im Jahr 1996 zeigten, daß eine zuverlässige Grundlage für die Zusammenarbeit und vereinte Bemühungen aller iranischen oppositionellen Kräfte - außer Mojahedin und Monarchisten - für die Erreichung einer gewählten demokratischen Republik vorhanden ist.

Um diese Ziele zu erreichen, lehnen wir Fedajin uns an moderne, demokratische und sozialistische Werte. Wir wollen eine Welt, die auf Basis der internationalen Zusammenarbeit und Friedlicher Koexistenz unter Nationen und verschiedenen Kulturen aufgebaut ist. Wir sind auch um die Zukunft unseres Planeten besorgt.


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